[2015] Flyer in langer Version

Von der breiten Öffentlichkeit positiv aufgenommen, und fest in Bremen institutionalisiert, findet in diesen Tagen zum 51. Mal das größte Blasmusikfestival Europas statt.
Ursprünglich unter dem Namen „Militärmusikschau“ ins Leben gerufen, sollte Militär in Zusammenhang mit Musik präsentiert werden. Auch wenn das Format heute stärker auf Show und Folklore ausgelegt ist, stellt das Grundkonzept dieser Veranstaltung dasselbe dar wie vor fünfzig Jahren und ist ohne Unterstützung der Bundeswehr nicht denkbar.

Deutsche Täter als Opfer?
Organisiert wird die Musikschau vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), an den auch der Reinerlös der Veranstaltung geht. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht „die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen und zu pflegen“.

Gegründet wurde der Volksbund 1919 durch nationalistische Kreise, mit dem Ziel ,,[…] die heldische Lebensauffassung im deutschen Volk wiederzuerwecken; die Ehrenstätten unserer Gefallenen in aller Welt zu Mahnmalen deutscher Art auszugestalten und die Opferbereiten zu einer Gemeinschaft im Volksbund zu sammeln“ (Emmo Eulen, damaliger Präsident des VDK).

Nach dem Verbot 1945 konnte der Volksbund ein Jahr später unter der alten Führung des schon im Dritten Reiches amtierenden Vorsitzenden Otto Margraf seine Arbeit wieder aufnehmen.
Bis heute unterhält der Volksbund zahlreiche Kontakte und Kooperationsbeziehungen zu Personen und Organisationen aus dem Spektrum der ,,Vertriebenen“- und der Wehrmachts-Traditionsverbände, darunter auch lange Zeit die ,,Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS“ (HIAG).

Problematisch finden wir, dass sich der Volksbund nie von seiner zweifelhaften Vergangenheit distanziert hat. Hierbei ist vor allem die Kontinuität des VDK zu kritisieren. Deutsche Soldaten werden als „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ verstanden und verharmlost, ohne ihre Täterschaft in den Vordergrund zu rücken. Das Deutschland diesen Krieg und den größten Zivilisationsbruch der Geschichte, die industrielle Vernichtung von Millionen von Menschen begonnen und verschuldet hat wird meist außen vorgelassen, oder nur am Rande erwähnt.

Problematisch finden wir auch die Heroisierung von Soldaten durch überdimensionierte Gedenkstätten, die Annahme von Spenden aus dem rechten Spektrum (z.B. HIAG im Februar 2000) sowie die enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr.
Der VDK rühmt sich mit seiner Arbeit zur Völkerverständigung beizutragen und Friedensarbeit zu leisten – doch kann dies auf der Basis von Kriegsgräberpflege und Soldatengedenken passieren?

Bremen als Rüstungsstandort
Schon als Rüstungsschmiede an den ersten beiden Weltkriegen beteiligt, hat sich der militaristische Charakter der Stadt nicht gewandelt: So gehört Bremen auch heute noch zu einem der bedeutendsten Rüstungszentren Deutschlands und ist eine Hochburg der Rüstungsindustrie.
Mit einem Anteil von 4.7% am Bruttosozialprodukt ist in Bremen die Rüstungsproduktion 6 – 7 mal höher vertreten als im Bundesdurchschnitt.
Gleich fünf namenhafte Firmen in der Tötungs- und Überwachungsbranche haben ihren Standort in Bremen: OHB System AG, Atlas Electronik GmbH, EADS, Rheinmetall Defence Electronics (RDE) sowie die Friedrich-Lürssen-Werft. Neben Satelliten und Drohnen werden hier Sonarsyteme, Funkanlagen, Minenabwehrsysteme, Torpedos, Patrouillenboote, Korvetten und der Rumpf des Militärtransportflugzeugs A 400 M hergestellt.
Zu den Abnehmern zählt die Bundeswehr, welche die KZO-Drohne im Afghanistan-Krieg im Einsatz hat, aber auch die Armeen 27 anderer Länder.
Es ist wichtig, das kriegstreibende Potential der Stadt aufzudecken:
So stehen die Schiffe der Lürssen-Weft für die strategische Neuorientierung der Marine. Atlas rühmt sich auf der eigenen Internetseite mit hochtechnologisierten Überwachungssystemen zur Terrorbekämpfung und Abwehr illegaler Migrant*innen. RDE besitzt eine Schlüsselrolle bei der Umgestaltung und Modernisierung der Bundeswehr zur Interventionsarmee („Infanterist der Zukunft“) und befindet sich an der Schnittstelle unbemannte Flugsysteme nicht nur zur Aufklärung, sondern auch im Kampfeinsatz zu verwenden.
Hierbei muss sich Bremen der Verantwortung stellen, zukünftige Militärpolitik umzusetzen und vor allem einen wichtigen Beitrag zur Militarisierung der deutschen Außenpolitik zu leisten!

Militarisierung der Gesellschaft vs. Ziviles Militär?
Im Inland wird daran gearbeitet die Bundeswehr in der öffentlichen Wahrnehmung als zivil und gemeinnützig darzustellen, während die Zivilgesellschaft im Gegenzug immer weiter militarisiert wird. Semantisch betrachtet, fungieren die Begriffe „zivil“ und „militärisch“ als Antagonisten, in der politischen Umsetzung kommt es immer mehr zu einer gegenseitigen Durchdringung dieser Bereiche.
Zivilgesellschaftliche Institutionen werden immer stärker militärisch ausgerichtet. So werden immer mehr ranghohe Positionen ziviler Bereiche wie der Kommunikation, Logistik, Energiewirtschaft, dem Finanzwesen oder dem Katastrophenschutz durch Reservist*innen der Bundeswehr besetzt. Damit einher geht eine vermehrte Übernahme polizeilicher Aufgaben durch das Militär. Ergebnis hiervon ist die militärische „Lösung“ sozialer Konflikte, sprich Aufstandsbekämpfung, wie es z.B. während des Arabischen Frühlings zu beobachten war.

Auf der anderen Seite hat die Umstrukturierung hin zu einer „Freiwilligenarmee“ dazu geführt, dass Soldat*innen vermehrt rekrutiert werden müssen. Dies erklärt die steigende Präsenz der Bundeswehr in Schulen, bei Jobmessen, an Kirchentagen, bei Werbekampagnen oder als „humanitäre Retter“ bei Unwetterkatastrophen – man will sich möglichst attraktiv und weltoffen sowie vielversprechend und zukunftsweisend zeigen. Mit dieser Tendenz einher geht die auf stärkere Militarisierung hin ausgelegte Außenpolitik der Bundesregierung.
Ziel ist ein möglichst ziviles und bürgernahes Image der Bundeswehr– man versucht sich positiv in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. So soll auf subtile Weise über die eigentliche Funktion einer Armee hinweggetäuscht werden und eine Akzeptanz für bereits stattfindende oder zukünftige „Interventionen“ oder Kriege bei der Bevölkerung geschaffen werden. Die Verknüpfung mit positiven Bildern, lässt Kriegsschauplätze und die Morde und Grausamkeiten des kriegerischen Alltags der „Armee im Einsatz“ in den Hintergrund geraten. Musikschau ist als ein Element dieser Meinungsmache zu verstehen, ohne die Krieg nicht möglich wäre.

Quellen:
https://www.warstartsherecamp.org/de/hintergrund
http://www.radiobremen.de/politik/dossiers/ruestung/ruestungsstandort108.html
http://www.german-foreign-policy.com
Rüstungsstandort an der Weser – Produktion, Forschung und Perspektiven, Hrsg.: Asta Uni Bremen und andere

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[2015] Informationen zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Friedensarbeit?

Organisiert wird die Musikschau vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), an den auch der Reinerlös der Veranstaltung geht. „Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen“ und den „Volkstrauertag“ zu organisieren. Die Gräber getöteter Deutscher Soldaten aus dem 1. und 2. Weltkrieg werden in ganz Europa gesucht und restauriert, oder in Sammelfriedhöfe zusammen gefasst. „Heute hat der Volksbund knapp 400 000 aktive Förderer sowie über eine Million Gelegenheitsspender und Interessenten“.
Der Volksbund wirbt mit seiner „Friedensarbeit“. Doch ob diese Arbeit wirklich dem Frieden dient bleibt höchst zweifelhaft.

Immer wieder kommt es in der Bevölkerung der damals von den Deutschen überfallenen Länder zu Widerstand gegen neue Projekte des VDK. So gab es im tschechischen Cheb heftigen Protest gegen die vom Volksbund beabsichtigte Einrichtung eines deutschen Soldatenfriedhofes. Schließlich wurde darauf verzichtet. Auch in Prag sprach sich im Jahr 2002 der Rat der tschechischen NS-Opfer gegen die Einrichtung eines deutschen Soldatenfriedhofs aus und auch in westlichen Ländern wie Italien gab es immer wieder Proteste.
Der Missmut gegenüber dem VDK entsteht einerseits durch die Verwendung von nazistischen Symbolen (insbesondere auch Dienstgrade der Waffen-SS) auf Grabstätten des VDK und martialisch anmutenden „Totenhallen“, seiner Nähe zu rechten Organisationen, sowie seiner völkisch, nationalistischen Geschichte.
So erklärte ein Abgeordneter eines Dorfes bei Wolgograd, dass sich die Deutschen ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende wieder so selbstsicher fühlen würden, dass sie ihre gefallenen Soldaten als ,,unschuldige Opfer“ darstellten und ihnen ,,marmorne Denkmäler“ setzen wollten. Bei der Eröffnung würde ,,Musik zu Ehren der gefallenen deutschen Eroberer, Mörder und Gewalttäter“ gespielt werden – jener Invasoren, die zu Recht ein ruhmloses Ende gefunden hätten, hieß es weiter.

Mahnmale deutscher Art?

Gegründet wurde der Volksbund 1919 durch nationalistische Kreise, die nach der Niederlage im 1. Weltkrieg Grenzrevisionen verlangten und die Gräberpflege für Wehrpropaganda nutzten. 1923 etwa erklärte der damalige Präsident, der Pfarrer Fritz Siems, den ,,Haß, der augenblicklich die deutsche Seele packt, (…) den Haß gegen den Erbfeind“.

Emmo Eulen, ein Nachfolger als VDK-Präsident, nannte als Gründungsziele ,,[…] die heldische Lebensauffassung im deutschen Volk wiederzuerwecken; die Ehrenstätten unserer Gefallenen in aller Welt zu Mahnmalen deutscher Art auszugestalten und die Opferbereiten zu einer Gemeinschaft im Volksbund zu sammeln.“

Schon 1926, „lange vor den Nazis“, habe im Aufruf zum, vom VDK organisierten, Volkstrauertag der damalige Volksbund-Präsident gerufen: „Das soll der Volkstrauertag: Symbol sein und werden für ihren Geist, in dem sie auszogen in unendlicher Begeisterung, in dem sie kämpften wie Löwen, litten wie Märtyrer, starben wie Helden für das große Ziel: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“
Mit solchen Aufrufen habe der Volksbund die reaktionären Kräfte in der Weimarer Republik an sich gezogen, war aber auch zunehmender öffentlicher Kritik ausgesetzt; so erklärte etwa der sozialdemokratische preußische Ministerpräsident Otto Braun 1930, bei den Veranstaltungen des VDK werde ,,das Gedächtnis der Toten mißbraucht (…), um einen gewissen, verderblichen Revanchegedanken zu wecken und wachzuhalten.“

Ehre und Größe der Nation?

Der ,,Bundesamtsführer“ Otto Margraf erklärte 1944: ,,Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bedeutet Besinnung auf Ehre und Größe der Nation, auf die heldischen Opfer und den Todesmut unserer Gefallenen (…) auf das Deutschtum überhaupt“.

Nachdem der VDK 1945 zunächst wie alle militaristischen und nazistischen Organisationen verboten worden war, konnte er in den westlichen Besatzungszonen schon 1946 seine Arbeit wieder aufnehmen – unter der alten Führung: der Nazi-,,Bundesamtsführer“ Margraf wurde Generalsekretär (bis 1969).

Unter diesen Vorraussetzungen kann man sich kaum wundern, dass der Volksbund zahlreiche Kontakte und Kooperationsbeziehungen zu Personen und Organisationen aus dem Spektrum der ,,Vertriebenen“-Verbände und der Wehrmachts- und SS-Traditionsverbände unterhielt (und unterhält), darunter auch die ,,Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS“ (HIAG).
Hohe Funktionäre des VDK traten auf den Jahrestreffen der HIAG auf, so etwa der damalige Vizepräsident Hans-Otto Weber (SPD) 1982 in Bad Hersfeld.
Die HIAG gründete die ,,Kriegsgräberstiftung“ ,,Wenn alle Brüder schweigen“, die fortan eng mit dem VDK zusammenarbeitete. Darüber hinaus unterstützt die SS-Traditionsstiftung die Arbeit des Volksbundes durch Spenden; die Mitgliederzeitschrift des VDK ,,Stimme && Weg“ 2/2000 etwa vermeldet den Eingang eines großen Betrags der Stiftung ,,Wenn alle Brüder schweigen“, ,,für den wir uns ganz herzlich bedanken“.

Frieden durch soldatische Werte?

Der VDK ist – gemeinsam mit Untergliederungen der HIAG und diversen militaristischen Traditionsverbänden – ebenfalls Mitglied im ,,Gemeinsamen Ausschuß“ von Soldatenverbänden und Reservistenorganisationen, der laut einer im August 1997 verabschiedeten Vereinbarung unter anderem für die ,,Pflege und Wahrung soldatischer ethischer Werte“ eintritt.

Vom VDK werden besonders die Jugencamps hervorgehoben, welche den Jugendlichen den Frieden und die Völkerverständigung näher bringen sollen. 1998 sorgte Peter Hild, ein Leiter solcher „Jugendlager“ für öffentliches Aufsehen. Er soll in verschiedenen ,,ultrarechten Publikationen“ Artikel veröffentlicht haben, unter anderem in ,,Der Freiwillige“, dem langjährigen Organ der HIAG, die ihm für seine Verdienste sogar deren Ehrennadel verlieh. Hild hatte die Inhaftierung des Nazi-Kriegsverbrechers Erich Priebke bedauert, ,,Hitlers Veteranen“ zu ,,heldenhaften Idolen“ stilisiert und behauptet, die deutsche Wehrmacht sei ,,die am anständigsten gekämpft habende Streitmacht des Zweiten Weltkrieges“ gewesen.

Deutsche Täter auch nur Opfer?

Der Volksbund möchte mit seiner Arbeit nach eigener Aussage den „Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ gedenken und spricht von den Deutschen Soldaten des ersten und zweiten Weltkrieges die “noch immer verlassen und zum Teil vergessen in fremder Erde, fern der Heimat“ liegen und sagt: „Auch heute noch stehen wir in der Verpflichtung ihr Opfer zu respektieren und als Mahnung zu Verstehen […]“.
Jährlich pilgern zehntausende deutsche Besucher an die Kriegsgräberstätten, auf denen einfache Soldaten, aber auch unzählige SS-Angehörige, Kriegsverbrecher und Verbrecher gegen die Menschheit begraben liegen.
Das Deutschland diesen Krieg und den größten Zivilisationsbruch der Geschichte, die industrielle Vernichtung von Millionen von Menschen selbst begonnen hat wird meist außen vorgelassen, oder nur am Rande erwähnt.

Friedensarbeit mit der Bundeswehr?

Nicht nur HIAG und Co. unterstützen den Volksbund tatkräftig. Auch und gerade mit der Bundeswehr gibt es Kooperationen. Der Volksbund hat aufgrund der hohen Priorität der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sogenannte „Bundeswehrbeauftragte“ eingestellt. Sie sollen in ihren Zuständigkeitsbereichen die Verbindung zur Truppe herstellen und halten, sowie die Befehlshaber, Kommandeure und Einheitsführer in Fragen der Kriegsgräberfürsorge informieren und beraten.
Außerdem trägt die Bundeswehr mit rund 35% zum Gesamtaufkommen einen erheblichen Teil der jährlichen finanziellen Sammlungen des VDK bei. Klar, dass sich der
„Volksbund wünscht […] dass den Bundeswehrbeauftragten offen und vorurteilsfrei begegnet wird.“

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[2014] Jubeldemo zur Musikschau: Flöten! Tröten! Töten! – Gib Krieg eine Chance!

Samstag, 25. Januar 2014 | 11 Uhr | Marktplatz

Für mehr Militarismus fightenWir wollen getreu dem Motto “Schlechtes Wetter, harte Zeiten – Für mehr Militarismus fighten!” ein Zeichen setzen für mehr Krieg nach Innen und Außen und mit einer kraftvollen Jubeldemo zur Musikschau der Nationen die musizierenden Kameraden der Militär- und Polizeiorchster begrüßen. Denn Krieg ist Frieden, das hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schon völlig richtig erkannt. Wenn du auch denkst: “Hör mir uff mit Humanität, so richtig geil werd ich nur bei Flecktarn.” – komm vorbei und jubel mit uns! Hasspazifisten müssen leider zuhause bleiben.

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[2014] Jingle

Neuer Jingle auf Indymedia Linksunten

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[2014] Aufruf

Musikschau der Nationen – abblasen!

Wenn die Bundeswehr sich bei der Musikschau mal wieder volksnah und unblutig präsentiert, dann steht dahinter ein ganz klares Kalkül. Mit solchen und anderen „Wohltätigkeitskonzerten“ (wie im Herbst 2013 in der Glocke) und Hilfe bei Hochwasserkatastrophen wird Gemeinnützigkeit demonstriert. In die gleiche Stoßrichtung gehen auch symbolische Aktionen wie die Kooperation der Reservist*innen mit den Suppenengeln in Bremen. Ziel ist die positive Darstellung in der Öffentlichkeit, aber auch eine direkte Nähe zur Zivilgesellschaft, denn diese soll an die Bundeswehr gewöhnt werden. Zukünftige, wie auch vergangene, Auslandseinsätze brauchen nämlich vor allem eins: Akzeptanz an der Heimatfront.

Die Musikschau der Nationen wird in diesem Jahr schon zum 50.Mal in Bremen gefeiert. Vom 24. bis zum 26.Januar 2014 findet, organisiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), “Europas größtes Blasmusik-Festival” in der ÖVB-Arena statt. Mit starker Unterstützung der Bundeswehr kommen hier Militärkapellen aus aller Welt zusammen.

Der VDK behauptet damit zur „Völkerverständigung“ beizutragen. Wie das aussieht können wir ja sehen: Stereotype sollen “uns“, den Deutschen, die fremden Kulturen näher bringen.
Sämtliche erlöse der Musikschau gehen an den VDK und seine angebliche „Friedensarbeit“.
Diese besteht darin international von jungen Menschen Kriegsgräber putzen zu lassen. Aber man kann es wohl kaum Friedensarbeit nennen, jene Orte zu pflegen, die doch gerade dazu da sind, Soldat_innen weiterhin als Wohltäter_innen, Held_innen und tragische Opfer darzustellen und nicht als Täter_innen und Verantwortliche, die sie sind.

Dabei wird bei der Musikschau gar nicht erst thematisiert, dass die auftretenden Musiker*innen größtenteils Soldaten und Soldatinnen sind.
Die Musikschau soll, neben Auftritten und Werbung an Schulen, Jobcentern und Kirchentagen, zu einem zivilen bürgernahen Image der Bundeswehr und anderer Armeen beitragen: Ziel ist es, sich positiv dargestellt in der Mitte der Gesellschaft zu verankern und damit Akzeptanz zu schaffen für bereits stattfindende und zukünftige “Interventionen” und Kriege. Durch eine steigende Präsenz im Inland und medienwirksame Auftritte wird über die eigentliche Funktion einer Armee hinweggetäuscht. Die Verknüpfung mit positiven Bildern, lässt Kriegsschauplätze und die Morde und Grausamkeiten des kriegerischen Alltags der „Armee im Einsatz“ in den Hintergrund geraten.

Sind wir im Krieg oder was?! Krieg als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln

Seit Mitte der 90er Jahre wird die Bundeswehr zu einer international einzusetzenden Interventionsarmee umgebaut. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht im vorletzten Jahr und der endgültigen Hinwendung zu einer reinen Berufsarmee wurde dieser Umbau nun fast vollendet. Damit ging auch eine Neuausrichtung der Funktion und der Aufgaben einher.

Weltweit bleibt es dabei, dass die Bundeswehr, wie schon in den letzten Jahren, dazu genutzt wird deutsche oder, als Teil der NATO, westliche Interessen durchzusetzen. Damit geht einher, dass gesellschaftliche Strukturen in den Einsatzgebieten nach neokolonialer Maßgabe aufgebaut werden. Den Menschen vor Ort wird dabei nicht zugestanden selbst entscheiden zu können. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die ungleiche Verteilung von Gütern und Machtressourcen, die der Kapitalismus eben mit sich bringt, weltweit aufrechterhalten und westliche Privilegien gesichert werden.

Bundeswehr im Innern: Ziviles Militär oder militärische Zivilgesellschaft?

Im Inland wird daran gearbeitet die Bundeswehr in der öffentlichen Wahrnehmung als zivil und gemeinnützig darzustellen, während die Zivilgesellschaft im Gegenzug immer weiter militarisiert wird. Sprachlich sind die Begriffe `zivil` und `militärisch` zwar Gegensätze und damit unvereinbar, dennoch treiben Sicherheitspolitiker*innen die Annäherung und Vermischung dieser Bereiche immer weiter voran.
Nach außen hin wird die Verstärkung von “Zivil-Militärischer-Zusammenarbeit” (ZMZ) vor allem durch Werbekampagnen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kooperationen der Bundeswehr sichtbar.
Außerdem müssen seit der Umwandlung in eine „Freiwilligenarmee“ Jahr für Jahr tausende Nachwuchssoldat*innen rekrutiert werden. Um das Dasein in der Bundeswehr schmackhaft zu machen, tingeln die „Karriereberater*innen“ daher durch Schulen und Jobmessen und zeichnen ein möglichst attraktives Bild, so etwa im Herbst 2013 am Kippenberg-Gymnasium. Wieder geht es um eine schönfärberische Imagepflege.

Zivilgesellschaftliche Institutionen werden auf der anderen Seite immer durchdringender militärisch ausgerichtet und eingebunden. Seit einigen Jahren gibt es entsprechend in jedem Landkreis sogenannte Verbindungskommandos. Diese bestehen aus Reservist*innen, die nach Möglichkeit ranghohe Positionen in zivilen Bereichen wie der Kommunikation, Logistik, Energiewirtschaft, dem Finanzwesen, usw. inne haben. Zudem sitzen die Verbindungsoffiziere in den vormals zivilen Katastrophenschutzgremien. Die Bundeswehr beeinflusst so Planungen zur Gefahrenabwehr im Inneren zu ihren Gunsten, erstellt kontinuierlich Lagebilder der innerdeutschen Verhältnisse. Polizeiliche Aufgaben werden vermehrt dem Militär übergeben, die militärische “Lösung” sozialer Konflikte, sprich Aufstandsbekämpfung, vorbereitet.

Die Produktion von Wahrnehmung – die Legitimation von Krieg.

Im Kern der innerdeutschen Auseinandersetzung mit der Bundeswehr steht das Anliegen positiv besetzte Berührungspunkte herzustellen. Bilder von Soldaten, die Brunnen bauen und Mädchen in die Schule begleiten, werden genutzt, um eine Identifikation mit der “eigenen” Armee möglich zu machen. Gleichzeitig sind die Medien voll von “bärtigen Islamisten”, “unterdrückten kopftuchtragenden Frauen”, “somalischen Piraten” und “schwarzen Kindersoldaten”. Diese einseitige Darstellung des “Anderen” konstruiert Feindbilder, von denen sich klar abgegrenzt wird, während die eigene Nation, Kultur, Staatsform oder was auch immer als überlegen und fortschrittlich betrachtet wird.
Diese Form der Meinungsmache spielt der Bundeswehr in die Hände, um “vermeintliche Hilfeleistungen” und “humanitäre Interventionen” zu legitimieren. Die Musikschau ist als ein Element dieser Meinungsmache zu verstehen, ohne die Krieg nicht möglich wäre.

Marschieren – der letzte Schliff der Disziplinierung

Die Musikschau geht sogar noch über die ansonsten gängige Imagepflege hinaus. Marschmusik wohnt eine Form der Macht inne, die auf die Körper zielt. Marschieren dient der Disziplinierung der Körper, sie formiert, dressiert, manipuliert.
„Schritt für Schritt hat man die Haltungen zurechtgerichtet, bis ein kalkulierter Zwang jeden Körperteil durchzieht und bemeistert, den gesamten Körper zusammenhält und verfügbar macht und sich insgeheim bis in die Automatik der Gewohnheiten druchsetzt.“ (Michel Foucault, Überwachen und Strafen, S. 173)
Und so ist jeder Schritt im vorgegebenen Takt ein Schritt zur Unterwerfung. Mit passender Marschmusik wird bei der Musikschau der Nationen die Unterwerfung und Eingliederung des Individuums in eine militärische Formation unkritisch abgefeiert.

Bremen – Rüstungsstandort number one

Viele der internationalen Militärs, die im Januar zur Musikschau kommen, werden Bremen bereits kennen: als Rüstungsstandort. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine vergleichbare Dichte der Rüstungsproduktion. Die hier ansässigen Unternehmen, die teilweise schon für zwei Weltkriege Waffen lieferten, beschaffen den Kriegstreibenden der Welt so ziemlich alles, was sie brauchen: Satelliten und Drohnen für die Aufklärung, Elektronik für Marine und Heer, Schiffe, Flugzeuge, Ausrüstung… Firmen wie Rheinmetall, OHB, Atlas-Elektronik, EADS oder die Lürssen-Werft sind als „Global Players“ ganz groß im Geschäft. Und trotz Zivilklausel wird eng mit den Forschungseinrichtungen der Hochschulen zusammengearbeitet. Ob also in Sachen Rüstungsproduktion, -logistik oder -forschung: Bremen ist mordsmäßig produktiv.

Soldat*innen bleiben Mörder*innen! Bundeswehr aus dem Takt bringen! Die Musikschau als Kriegstreiberei angreifen!

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Kommt also zu den Aktionen gegen die Musikschau:

Flöten, Tröten, Töten! – Gib Krieg eine Chance! – Jubeldemo:

Samstag 25.01.2014 | 11:00 Uhr | Marktplatz

Anti-Kriegscafé vor der ÖVB Arena (Stadthalle):

Samstag 25.01.2014 | 13:00 bis 15:00 Uhr
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[2014] VA: Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr

Mon­tag, 13. Ja­nu­ar 2014, 20 Uhr, Pa­ra­dox (Bernhardstr.​12)

An der Heimatfront

An der Hei­mat­front
Öf­fent­lich­keits­ar­beit und Nach­wuchs­wer­bung der Bun­des­wehr

Bun­des­wehr-​Wer­be­spots im Fern­se­hen, Ju­gend­of­fi­zie­re in Schu­len, Re­kla­me­stän­de auf Markt­plät­zen: immer öfter wirbt die deut­sche Armee in der Öf­fent­lich­keit. Dabei ver­sucht sie zum einen neue Re­kru­ten zu fin­den und wirbt auf der an­de­ren Seite in der Be­völ­ke­rung um Zu­stim­mung für ihre Aus­lands­ein­sät­ze. Denn die Hei­mat­front brö­ckelt und die Bun­des­wehr tut alles um dies zu ver­hin­dern.

Bei ei­ge­nen Ver­an­stal­tun­gen im öf­fent­li­chen Raum, bei ei­gens or­ga­ni­sier­ten Ju­gend­sport­fes­ten und Ver­an­stal­tun­gen in mi­li­tä­ri­schen Lie­gen­schaf­ten kann sich die Armee nach Be­lie­ben prä­sen­tie­ren. Ei­gens von der Bun­des­wehr ent­wi­ckel­te Me­di­en sol­len be­son­ders po­ten­zi­el­le Re­kru­ten für den Dienst an der Waffe be­geis­tern: neben einer Ju­gend­zei­tung und Schul­ma­ga­zi­nen setzt das deut­sche Mi­li­tär vor allem auf das In­ter­net und be­treibt gleich meh­re­re Re­kru­tie­rungs­por­ta­le im Netz. Wo sie nicht di­rekt wer­ben kann, schal­tet die Armee Re­kla­me in zi­vi­len Me­di­en. Ob im Ju­gend­ma­ga­zin BRAVO, der bun­des­wei­ten Schü­ler­zei­tung SPIES­SER oder im Radio. Auch Spiel­film­pro­duk­tio­nen und Fern­seh­do­ku­men­ta­tio­nen wer­den mitt­ler­wei­le von der Bun­des­wehr zur Ei­gen­wer­bung ge­nutzt und na­tür­lich Ver­an­stal­tun­gen wie die Mu­sik­schau der Na­tio­nen&

Der Vor­trag gibt einen Über­blick über die Re­kla­me­tä­tig­keit des deut­schen Mi­li­tärs.

Micha­el Schul­ze von Gla­ßer (* 1986) ist Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler und Bei­rat der In­for­ma­ti­ons­stel­le Mi­li­ta­ri­sie­rung e.V.

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[2014] Erster kleiner Aufruf

Keine Normalität für den Krieg! Marschmusik – Kehrt, marsch!

“Wenn jemand Freude daran hat, bei Musik in Reih’ und Glied zu marschieren, dann verachte ich ihn schon deswegen, weil er sein Gehirn nur wegen eines Irrtums bekommen hat; ein Rückenmark hätte gereicht.” (Albert Einstein)

Vom 24. bis 26. Januar 2014 soll in Bremen bereits zum 50. Mal die “Musikschau der Nationen” in der Bremer Stadthalle stattfinden.

Dann wird Bremen wieder von hunderten Militärmusiker*innen aus aller Welt besucht werden. Stets spielen auf der Musikschau internationale Militär- und Polizeiorchester. Die Militärorchester der Bundeswehr sind obligatorischer Weise auch immer mit dabei. So ist für 2014 bereits das Wehrbereichsmusikkorps III aus Erfurt angekündigt, ebenso wie die Musique de l´Artillerie de Rennes aus Frankreich und die United States Air Forces in Europe Band.

Die Veranstaltung, die mit tausenden Besucher*innen als das bedeutenste Militärmusikfestival Europas gilt, wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) organisiert. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern und aus den Fernsehübertragungsrechten (die Veranstaltung wird regelmäßig im Fernsehen übertragen), geht stets in die Kassen des VDK. Der VDK bemüht sich, die Musikschau der Nationen als “Beitrag der Völkerverständigung” zu verkaufen.

Wir fragen uns, was Völkerverständigung im militärischen Sinne sein soll

Zwar spielen bei der Musikschau der Nationen auch immer wieder zivile Gruppen auf, doch das wichtigste Kernelement für Besuchende und Veranstaltende ist die Marschmusik der Militärorchester. Der Sinn und Zweck dieser Marschmusik bestand im Altertum darin, kämpfende Soldat*innen zu lenken und während des Kampfes mit dem Feind zu unterstützen.

Heute kommt den Militärorchestern die Rolle zu, u.a. für gute Stimmung an der Heimatfront zu sorgen und dadurch das Geschäft der Kriegsführung zu normalisieren, damit in der Gesellschaft Akzeptanz für Militarisierung und Krieg geschaffen wird: “Lustige Blasmusik” soll davon ablenken, dass Militär mit Töten assoziiert wird.

Dass dieses Festival dann auch noch unter dem Motto der “Völkerverständigung” laufen soll, ist einfach nur lächerlich. Krieg hat nichts mit “Völkerverständigung” zu tun.

Im Jahr 2011 übernahm der damalige Kriegsminister Karl-​Theo­dor zu Gut­ten­berg erstmals die Schirmherrschaft über die Veranstaltung. Dies ist ein eindeutiges Zeichen, wie eng die Musikschau mit Militär und Rüstung verwoben ist. Damit passt sie auf eine zynische Art und Weise sehr gut nach Bremen, denn Bremen ist ein bedeutender Rüstungsstandort (Rüstungsforschung, Rüstungsproduktion, Rüstungslogistik).

Deshalb rufen wir euch auf, im Januar 2014 nach Bremen zum Aktionswochenende zu kommen und die “Musikschau der Nationen” zu stören.

Keine Normalität für das Töten. Keine Normalität für Krieg.

War starts here! Widerstand auch!

Achtet auf weitere Ankündigungen!

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